Sonntag, 5. September 2010

Manipulationen


Heute möchte ich über ein kleines Detail berichten, das ich beim Studium der Akten gefunden habe. Bisher unbeachtet, ist es sicherlich keine aufregende Enthüllung, verdeutlicht aber umso mehr, wie Informationen von Seiten der McCanns gestreut wurden und wie naiv und vertrauensselig britische Jounalisten agierten.

Die Aussagen der Tapas 9 im Mai 2007 gegenüber der portugiesischen Polizei kenne ich mitlerweile fast auswendig, und so stolperte ich beim Lesen der sog. Rogatory Interviews, d.h. die von der PJ geforderten Befragungen durch die Polizei von Leicestershire im April 2008, über ein winziges Detail, das mir unbekannt war. Nachdem ich die Mai-Befragungen sorgfältig noch einmal durchforstet hatte, war ich sicher, dass Jane Tanner ein kleines, vorher unerwähntes Detail gegenüber der britischen Polizei erstmals erzählte.

Nämlich dass auch sie, wie die Paynes, ein Babyphone dabei hatten. Allerdings wäre das technisch nicht so gut gewesen, und der Empfang wohl eher unzuverlässig gewesen, daher hätten sie zusätzlich ja auch die Kinder regelmäßig noch im Apartment überprüft. Aber sie vermute, dass sie eventuell unbewusst, durch das Testen des Gerätes im ummauerten Tapas-Bereich den "Entführer" darauf aufmerksam gemacht hätte, dass sie ihre Kinder alleine ließen.

Ein Babyphone, dass als zusätzliche Sicherheit immer mit zum Essen genommen wurde, hätte sicherlich gegenüber der portugiesischen Polizei die Sorge der Eltern und ihre Verantwortung für die Kinder deutlich unterstreichen können. Die drohende Klage wegen Vernachlässigung hätte abgeschwächt werden können. Warum wurde es NIE in den Verhören durch die portugiesische Polizei erwähnt?

Bei Recherchen stieß ich dann auf den Artikel von David James Smith, "Kate and Gerry McCann: Beyond the smears", der in der Times erschien, und dem bei Erscheinen im Dezember 2007 viel Lob aufgrund der "objektiven" Berichterstattung gezollt wurde. In diesem Artikel wird merkwürdigerweise das Babyphone von Jane Tanner erwähnt, obwohl die Rogatory Interviews noch gar nicht erfolgt waren und vorher nie von diesem Gerät die Rede war.

Eine Mailanfrage an den Autor (der fest an die Unschuld der McCanns glaubt und nichts von "Hobby-Detektiven" und "Leichenfledderern" hält) ergab, dass er vor der Veröffentlichung seines Artikels, ein längeres "Briefing" durch Gerald McCann erhalten hatte und die Info zum Babyphone wohl daher käme.

Mehrere Fragen werden hier aufgeworfen:

Welcher journalistischen Ethik entspricht es, Briefings von Verdächtigen in Empfang zu nehmen und sie ungeprüft zu veröffentlichen?

Wie verhält es sich dann mit den anderen Infos im Artikel, wie z.B. der konsumierten Menge an Alkohol, die Verletzung der Achilles-Ferse, dem zeitlichen Ablauf des Abends....?

Warum wurde dieses kleine Detail hinzugefügt?

Wie fühlt sich ein Journalist, der für die Verbreitung von Propaganda missbraucht wurde?

Zumindest zum letzten Punkt kann ich sagen, dass "Englands führender Kriminalreporter" sich keiner Schuld bewusst ist und auch nichts Verdächtiges erkennen kann. Allerdings hat er definitiv keinen Blick in die Akten geworfen, denn von der Begegnung der Familie Smith mit einem Mann, der ein Kind trug zum Zeitpunkt der "Entführung" hatte er keinen Schimmer.

Wieder einmal wird hier die Qualität der heutigen Medienmacher nur allzu deutlich.